Yamas und Niyamas

Die ersten zwei Stufen auf dem Weg zur Erleuchtung

Maja Mast

Gründerin & Geschäftsführerin, Yoga Studio Fox

Maja Mast ist Gründerin und Geschäftsführerin von Yoga Studio Fox (Happy & Free GmbH). Mit einem Hintergrund in BWL und Kommunikation sowie über 20.000 unterrichteten Yoga-Stunden verbindet sie fundiertes Fachwissen mit langjähriger Praxiserfahrung. Unter ihrer Leitung wurde das Studio mehrfach von der American Yoga Alliance (RYS 200, RYS 300, RYS 500, YACEP, RCYS, RPYS), dem TÜV Rheinland und der BAG als „besonders entwicklungsfördernd" zertifiziert. Mehr als 10.000 Absolvent:innen haben ihre Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen.

Yoga Alliance zertifiziertTÜV Rheinland geprüftBAG zertifiziert10.000+ Absolvent:innen

Yamas und Niyamas an gelten als die ersten beiden Stufen des achtgliedrigen Yoga Pfades nach Patanjali und bilden das ethische Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut.² ⁴

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Yoga besteht nicht nur aus den körperlichen Asanans, Yoga ist ein sehr umfassendes philosophisches System mit einem ganzheitlichen Ansatz. Yamas und Niyamas sind als erste zwei Stufen die Basis des achtgliedrigen Pfads des Raja Yoga, der uns zur Erleuchtung führen kann. ² ⁴
  • Dein innerer Kompass: Yamas und Niyamas dienen dir im hektischen Alltag als praktische Orientierungshilfe für eine bewusste Selbstführung.
  • Yamas – Dein Umgang mit der Welt: Diese fünf Prinzipien (Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya, Aparigraha) geben dir Leitlinien für ein faires und respektvolles Miteinander auf der Ebene von Denken, Sprechen und Handeln.
  • Niyamas – Deine Praxis mit dir selbst: Als Regeln und Orientierung helfen dir diese fünf Werte, achtsam, diszipliniert und friedvoll mit dir selbst umzugehen.

Yama und Niyama: Warum diese Prinzipien so wichtig sind 

Yamas und Niyamas können dir im hektischen Alltag als Kompass und Orientierung dienen. Yamas und Niyamas werden im zweiten Kapitel des Yoga Sutra (Verse 30–45) verortet ² und gelten als moralisch-ethisches Fundament des Yoga-Pfades. 

Die Idee dahinter ist einfach und stark: Wenn Yoga mehr sein soll als Beweglichkeit und körperliche Asanas, dann braucht es auch eine innere Ausrichtung dabei. 

Yamas betreffen den Umgang mit der Welt, Niyamas den Umgang mit dir selbst.² ⁴ ⁵

Wichtig ist dabei: Yamas und Niyamas sind keine Gesetze und keine Gebotsliste. Sie können dir aber als Richtlinien eine praktische Orientierung im Leben geben, die du selbst ausprobieren kannst. 

Es geht hier aber nicht um Perfektionismus, um sie zu erfüllen. ¹ ² ⁴ Genau das macht sie so zeitlos. Du kannst sie in kleinen Schritten in deinem täglichen Leben anwenden und ausprobieren, sie sind nicht nur ein bloßes theoretisches Konstrukt.

Der achtgliedrige Yogapfad nach Patanjali (Raja Yoga, Ashtanga Yoga)

Der achtgliedrige Yogapfad wird oft auch als Ashtanga Yoga bezeichnet: „ashta“ bedeutet acht. Er beschreibt Yoga als Weg vom äußeren Handeln hin zur inneren Sammlung.³ ⁴ 

Die acht Glieder (oder Stufen) werden so zusammengefasst: ³ ⁴

  1. Yamas (ethische Prinzipien im Umgang mit anderen)
  2. Niyamas (Prinzipien der persönlichen Lebensführung)
  3. Asana (Körperhaltungen)
  4. Pranayama (Atemübungen)
  5. Pratyahara (Rückzug der Sinne)
  6. Dharana (Konzentration)
  7. Dhyana (Meditation)
  8. Samadhi (innere Freiheit und Erleuchtung)

Tipp: Wenn du dein Wissen vertiefen und mehr über einzelne Glieder auf dem Weg erfahren möchtest, dann kannst du unsere Angebote bei Yoga Studio Fox dazu nutzen. Ob als interessierte Privatperson, praktizierende:r Yogi:ni oder als ausgebildete Yogalehrer:in.

Hier geht es zu unseren Angeboten und Inhalten:

Dass der Pfad nicht sofort bei den körperlichen Asana startet, ist kein Zufall, denn die ethische Basis bereitet erst einmal den Boden für die Yogapraxis und den Pfad der Erleuchtung.³ ⁴

Du kannst es dir vorstellen wie bei einem Haus: Du kannst die schönsten Räume gestalten, wenn das Fundament wackelt, wird es schwierig.

In einer ganz normalen Yogastunde tauchen diese Ebenen oft gleichzeitig auf. Wenn du achtsam übst, deinen Atem beobachtest, nicht über deine Grenzen hinaus gehst und dich konzentrierst, beinhaltet das gleichzeitig mehrere Glieder des Pfads.³ 

Niyamas und Yamas: Die Bedeutung (auf Deutsch)

Diese Sanskrit-Begriffe können im Deutschen zu Verwirrung führen. Darum wollen wir hier kurz erklären, was Yamas und Niyamas auf deutsch bedeuten:

Yama ist Singular und bezeichnet im Yoga-Kontext die erste Stufe des Pfads nach Patanjali. Yamas ist der Plural und meint die fünf ethischen Prinzipien, die darunter fallen.¹ ² ⁴ 

Außerdem wird Yama wörtlich mit „Zügel, Enthaltung, Selbstkontrolle“ beschrieben.¹ Das trifft den Kern ziemlich gut, denn s geht um bewusste Selbstführung.

Gemeint sind mit den Yamas also Leitlinien für ein faires, respektvolles Miteinander: und zwar auf den Ebenen von Denken, Sprechen und Handeln.² ⁴ ⁵ 

Yamas sind die Regeln im Umgang mit der Umwelt und unserem Umfeld. Ohne Yamas ist ein Zusammenleben schwer möglich.

Niyamas sind die Regeln im Umgang mit uns selbst, denn

„Ohne Niyamas hält man es schwerlich mit sich selbst aus.“ (Ralph Skuban)

Was sind die 5 Yamas und Niyamas? Ethische Leitlinien im Umgang mit anderen und mit uns selbst

Die Yamas werden als Verhaltensregeln beschrieben, die den Umgang mit anderen Menschen und der Umwelt betreffen.² ⁴ ⁵ Sie sind wie „Grundregeln“ für ein respektvollen Umgang miteinander.⁵ Dabei geht es nicht nur um große moralische Fragen, sondern um kleine, wiederkehrende Alltagssituationen, wie z.B.:

  • Wie spreche ich?
  • Wie handle ich, wenn ich gestresst bin?
  • Wie fair bin ich, wenn niemand hinsieht?

Die 5 Yamas (mit Beispielen für den Alltag) im kurzen Überblick

  1. Ahimsa: Gewaltlosigkeit, nicht verletzen (mit Worten, Gedanken oder Handeln) z.B. Feedback klar geben, aber ohne zu verletzen. In den Quellen wird Patanjali sinngemäß so zitiert: Wer fest in Gewaltlosigkeit gründet, in dessen Gegenwart lässt Feindseligkeit nach.² ³ ⁴ ⁵
  2. Satya: Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, z.B. ehrlich Grenzen setzen oder etwas ablehnen, statt sich selbst zu verbiegen.
  3. Asteya: Nicht stehlen. Nicht missgünstig oder neidisch sein auf andere. Wir kommen ohne Besitz zur Welt und verlassen sie auch ohne Besitz auch wieder. Wer immer das Gefühl hat, zu wenig zu haben, dessen Geist wird niemals zur Ruhe finden können.
  4. Brahmacharya: Wird oft so übersetzt, dass man nicht maßlos sein und sich zügeln soll. Raga (= das Haben-Wollen, die Gier) muss im Zaum gehalten werden. Wird oftmals auf die sexuelle Enthaltsamkeit bezogen ausgelegt.
  5. Aparigraha: Nicht horten und nicht anhaften. Das bedeutet, sich nicht krampfhaft an etwas oder jemand klammern, sondern loslassen. Denn wer etwas krampfhaft festhält, hat etwas zu verlieren und der Verlust wäre mit Schmerz verbunden.

Die 5 Yamas: Die ausführliche Bedeutung

1. Ahimsa: Gewaltlosigkeit, auch in Worten und Gedanken

Ahimsa wird als Gewaltlosigkeit bzw. Nicht-Verletzen beschrieben, nicht nur körperlich, sondern auch in Worten und Gedanken.¹ ² ⁴ ⁵ In den Quellen wird Patanjali sinngemäß so zitiert: Wer fest in Gewaltlosigkeit gründet, in dessen Gegenwart lässt Feindseligkeit nach.² ³ ⁴ ⁵

Alltagsnah heißt das: Ahimsa beginnt oft im Kleinen. Zum Beispiel in der Art, wie du Feedback gibst. Oder wie du mit dir selbst sprichst, wenn etwas nicht klappt. Gewaltlosigkeit kann auch bedeuten, nicht jedem inneren Druck („Ich muss noch…“) nachzugeben.

Ahimsa kann wie eine grundlegende Orientierung wirken. Denn so kann es uns leichter fallen, Wahrhaftigkeit ohne Härte zu leben, Disziplin ohne Selbstbestrafung zu üben und Grenzen ohne Abwertung zu setzen.

2. Satya: Wahrhaftigkeit – ehrlich sein, ohne zu verletzen

Satya bedeutet Wahrhaftigkeit: ehrlich, integer und authentisch zu sein. In Gedanken, Worten und Taten.¹ ² ⁴ ⁵ 

Satya und Ahimsa gehören immer zusammen. Im Alltag ist das manchmal eine Kunst. Satya kann heißen, ein klares „Nein“ auszusprechen, statt dich selbst aus Höflichkeit in Bedrängnis zu bringen.⁵ Es kann auch heißen, ehrlich mit dir zu sein.

Satya ist keine Einladung zur Schonungslosigkeit. Es ist eher eine Einladung zu mehr Klarheit.

3. Asteya: Nicht-Stehlen, auch Zeit, Ideen und Ressourcen anderer respektieren

Asteya wird als Nicht-Stehlen beschrieben und ausdrücklich erweitert: Es geht nicht nur um materielle Dinge, sondern auch um Zeit, Ideen, Aufmerksamkeit und Ressourcen anderer. ² ⁴ ⁵ 

Das bedeutet im modernen Alltag z.B., im Gespräch präsent zu bleiben (statt nebenbei zu scrollen). Oder Ideen anderer zu würdigen, statt sie als deine auszugeben. Oder bei der Arbeit realistische Angaben zu machen, statt die Zeit anderer durch Unklarheit zu blockieren.

Asteya ist oft auch als Neid-Training gut. Das heißt: weniger begehren, was uns nicht gehört und mehr wertschätzen, was wir schon haben.²

4. Brahmacharya: Enthaltsamkeit und bewusster Umgang mit Energie

Brahmacharya wird in den Quellen als Enthaltsamkeit, Selbstbeschränkung oder Selbstbeherrschung beschrieben.¹ ² ³ ⁵ Traditionell wird das oft mit sexueller Enthaltsamkeit verbunden. In modernen Auslegungen geht es häufig allgemeiner auch um den bewussten Umgang mit Lebensenergie und Ressourcen.¹ ³

Für den Alltag übersetzt kann Brahmacharya heißen: Maßhalten und bewusst wählen, wofür du deine Energie einsetzt. 

  • Nicht jede Einladung annehmen. 
  • Nicht jede Diskussion führen. 
  • Nicht jeder Ablenkung nachgeben.

Gerade in einer Welt, die permanent nach “mehr“ ruft, ist Brahmacharya ein bewusstes „genug“. Und damit ein sehr praktisches Yama.

5. Aparigraha: Nicht-Anhaften

Aparigraha bedeutet Nicht-Anhaften, Nicht-Besitzergreifen, Bescheidenheit. Das heißt also: weniger festhalten an Dingen, am Status, an Erwartungen.¹ ² ³ ⁴ ⁵  Es um das Loslassen das Befreien von Gier und materiellem Überfluss.¹ ²

Im Alltag kann Aparigraha sehr konkret werden: Muss wirklich alles aufgehoben werden? Muss gedanklich jedes „Was wäre wenn“ bis zum Ende durchdacht werden? Nicht-Anhaften heißt nicht, dass dir nichts mehr wichtig ist. Aber, wer nicht krampfhaft an etwas festhält, erleidet auch keinen so schmerzhaften Verlust und erfährt mehr Gelassenheit.

Viele erleben Aparigraha auch im zwischenmenschlichen Bereich: weniger klammern, weniger kontrollieren, mehr Vertrauen.

Eine Hand hält eine grüne Mala-Gebetskette mit Quaste, die ruhig in die geöffnete Handfläche fällt. Das Detailbild vermittelt Achtsamkeit, Ruhe und meditative Praxis im Rahmen der Yoga Kurse von Yoga Studio Fox.

Die 5 Niyamas: Deine Praxis im Umgang mit dir selbst

Wenn die Yamas nach außen wirken, gehen die Niyamas nach innen. Niyama (Singular) und Niyamas (Plural) beschreiben Prinzipien der persönlichen Lebensführung: Disziplin, Selbstreflexion, innere Hygiene und Hingabe.² ⁴ ⁵ 

In den Quellen werden sie als „Hausregeln“ beschrieben, die du für dich selbst aufstellst, um achtsam und friedvoll mit dir umzugehen.⁵

Im Alltag ist das oft der echte Gamechanger: Du kannst die besten Werte haben – wenn du dich dabei selbst ständig übergehst, wird es schwer, sie zu leben. Darum gehören Yamas und Niyamas zusammens: Gemeinsam bilden sie die Basis des Yogapfads.² ⁴

Die 5 Niyamas im kurzen Überblick: (mit Beispielen für den Alltag)

  1. Sauca: Reinheit (im Inneren und Äußeren, auf allen Ebenen), z.B. für eine cleane, aufgeräumte Umgebung sorgen, damit auch der Geist nicht abgelenkt ist. Auch Reizüberflutung vermeiden. Nicht nur äußere Körperhygiene, sondern auch innere Reinigung praktizieren z.B. durch Detox, gesunde Ernährung, Atemtechniken.
  2. Santosha: Zufriedenheit kultivieren. Nicht ständig noch mehr wollen.
  3. Tapas: Disziplin und Beständigkeit üben. Regelmäßiges Praktizieren ist bei allem wichtig, um innere Widerstände zu überwinden und Unbequemes zu tolerieren.
  4. Svadhyaya: Selbststudium der Schriften und Selbstreflexion. Ermöglicht uns, uns selbst besser kennenzulernen und ebnet den Weg für das “Loslassen”.
  5. Ishvara Pranidhana: Hingabe und Vertrauen, z.B. das konkrete, selbstlose Handeln zum Wohle anderer. Aber auch das Praktizieren von Mantras und achtsamen Ritualen für den Weg zur Erleuchtung.

Die 5 Niyamas: Deine Praxis im Umgang mit dir selbst

Wenn die Yamas nach außen wirken, gehen die Niyamas nach innen. Niyama (Singular) und Niyamas (Plural) beschreiben Prinzipien der persönlichen Lebensführung: Disziplin, Selbstreflexion, innere Hygiene und Hingabe.² ⁴ ⁵ 

In den Quellen werden sie als „Hausregeln“ beschrieben, die du für dich selbst aufstellst, um achtsam und friedvoll mit dir umzugehen.⁵

Im Alltag ist das oft der echte Gamechanger: Du kannst die besten Werte haben – wenn du dich dabei selbst ständig übergehst, wird es schwer, sie zu leben. Darum gehören Yamas und Niyamas zusammens: Gemeinsam bilden sie die Basis des Yogapfads.² ⁴

Die 5 Niyamas im kurzen Überblick: (mit Beispielen für den Alltag)

  1. Sauca: Reinheit (im Inneren und Äußeren, auf allen Ebenen), z.B. für eine cleane, aufgeräumte Umgebung sorgen, damit auch der Geist nicht abgelenkt ist. Auch Reizüberflutung vermeiden. Nicht nur äußere Körperhygiene, sondern auch innere Reinigung praktizieren z.B. durch Detox, gesunde Ernährung, Atemtechniken.
  2. Santosha: Zufriedenheit kultivieren. Nicht ständig noch mehr wollen.
  3. Tapas: Disziplin und Beständigkeit üben. Regelmäßiges Praktizieren ist bei allem wichtig, um innere Widerstände zu überwinden und Unbequemes zu tolerieren.
  4. Svadhyaya: Selbststudium der Schriften und Selbstreflexion. Ermöglicht uns, uns selbst besser kennenzulernen und ebnet den Weg für das “Loslassen”.
  5. Ishvara Pranidhana: Hingabe und Vertrauen, z.B. das konkrete, selbstlose Handeln zum Wohle anderer. Aber auch das Praktizieren von Mantras und achtsamen Ritualen für den Weg zur Erleuchtung.

Die 5 Niymas im Detail

1. Saucha: Reinheit – außen und innen

Saucha (auch Shauca geschrieben) bedeutet Reinheit, äußerlich wie innerlich.² ⁵ Äußerlich kann das Hygiene und Ordnung im Umfeld meinen; innerlich geht es um die Klarheit von Geist und Emotionen.² ⁵

Auch traditionelle Reinigungstechniken wie Neti, Nauli oder Dhauti gehören zur yogischen Tradition. ⁵

Ein praktischer Start kann ganz einfacher sein: Schaffe dir einen klaren Platz für Praxis und Ruhe. Oder beobachte, welche Inhalte (Gespräche, Medien, Dauer-Input) deinen Geist eher vernebeln als klären und ihn sozusagen” verunreinigen”.

2. Santosha: Zufriedenheit kultivieren (statt ständig „mehr“ zu wollen)

Santosha bedeutet Zufriedenheit: Akzeptanz, innerer Frieden, Dankbarkeit für das, was man hat und was man ist.² ⁵ Das klingt einfach, benötigt aber Übung.

Alltagsnah kann Santosha heißen: Den Tag nicht erst dann als gelungen zu bewerten, wenn alles abgehakt ist. Oder bewusst wahrzunehmen, was bereits positives Vorhanden ist, an Beziehungen, Fähigkeiten etc.

3. Tapas: Disziplin & inneres Feuer: dranbleiben, wenn’s ungemütlich wird

Tapas wird als Disziplin, Beständigkeit und „inneres Feuer“ beschrieben, als das stetige Bemühen, dranzubleiben.² ⁵ 

Tapas wird nicht nur körperlich verstanden, sondern auch bezogen auf Sprache und das Handeln, zum Beispiel achtsamer zu sprechen und keine verletzenden Worte zu nutzen.² ⁵

Das macht Tapas angenehm und bodenständig: Es geht nicht darum, hart zu sich selbst zu sein. Es geht darum, regelmäßig zu üben. 

4. Svadhyaya: Selbststudium & Selbstreflexion

Svadhyaya bedeutet Selbststudium: das Studium der Schriften und vor allem die Erforschung von uns selbst durch Selbstrefelxion² ⁵

Im modernen Leben kann das ganz unkompliziert umgesetzt werden: ehrliches Hinschauen und Analysieren, z.B. durch Journaling und daraus Lernen.

Ein schönes Svadhyaya-Ritual: Jeden Tag drei Sätze notieren. Was war heute leicht? Was war Widerstand? Was habe ich über mich gelernt? Das klingt zwar simpel, kann aber viel anstoßen und bewirken, weil es dich bewusster in Kontakt mit dir bringt.

5. Ishvara Pranidana: Hingabe und Vertrauen in etwas Größeres

Ishvara Pranidana (auch Pranidhana geschrieben) bedeutet Hingabe: Vertrauen in etwas Größeres, Dienst am Höchsten oder am Wohl anderer.² ⁵ Die Quellen formulieren es als Ausrichtung auf etwas, das über das eigene Ego hinausgeht.² ⁵

Damit sich Menschen unabhängig von Religiosität abgeholt fühlen, hilft eine offene Übersetzung: Man muss es nicht „Gott“ nennen, sondern kann es als Vertrauen verstehen, 

  • in das Universum, 
  • ins Leben, 
  • in Werte, 
  • in einen Sinnzusammenhang.

Ishvara Pranidana kann heißen: Nicht alles kontrollieren müssen: Versuche, deinen Beitrag so gut wie möglich zu leisten und lass den Rest vertrauensvoll los.

Frau richtet Kerzen fuer Meditationsritual in ruhiger achtsamer Atmosphaere

Yamas und Niyamas im täglichen Leben: So wird aus Philosophie Praxis

Die besten Ideen bleiben wirkungslos, wenn sie nur im Kopf stattfinden. Darum lohnt sich der Blick darauf, wie Yamas und Niyamas im Alltag wirklich greifen. In den Quellen wird betont, dass diese Prinzipien praktisch gemeint sind: Als Leitlinien, die

  • Handeln, 
  • Denken 
  • und Sprechen prägen.² ⁴ ⁵ 

Ein leichter Einstieg wäre zum Beispiel, wenn du dich auf ein Prinzip pro Woche fokussierst.¹

So startest du in den Wochen-Fokus, folgende Fragen können dabei helfen:

  1. Wo wird’s hart? 
  2. Wo kannst du freundlicher kommunizieren, ohne dich zu verlieren?
  3. Wo brauchst du mehr Wahrheit? Und wie sagst du sie so, dass Ahimsa mit im Raum bleibt?
  4. Was unterstützt deine mentale Klarheit? Was fühlt sich für dich eher belastend an?
  5. Woran hältst du fest, obwohl es längst nicht mehr nährt?

Wenn du diese Prinzipien und Fragestellungen in deine Yoga-Praxis mitnimmst, verändert sich oft der Fokus. Du übst nicht nur Asanas, du übst Haltung. Und genau das ist Yoga als Lebensweg, wie er in den Schriften beschrieben wird. ³ ⁴

Mini-Check-in für deinen Alltag (Reflexionsfragen statt Regeln)

Diese Fragen sind eine Möglichkeit, Yamas und Niyamas in deinen Tag zu integrieren:

  • Ahimsa: Wo kann ich heute sanfter sprechen – mit anderen und mit mir?
  • Satya: Welche Wahrheit halte ich zurück, obwohl sie eigentlich Klarheit bringen würde?
  • Asteya: Respektiere ich heute die Zeit und Aufmerksamkeit anderer oder bin ich nirgends bei der Sache?
  • Brahmacharya: Wofür setze ich meine Energie ein? Passt das zu meinen Werten?
  • Aparigraha: Was darf ich loslassen: Besitz, Erwartungen, Kontrolle?
  • Saucha: Was bringt Ordnung in meinen Kopf – und was macht ihn unruhig?
  • Santosha: Was ist heute bereits genug, auch wenn nicht alles perfekt ist?
  • Tapas: Wo darf ich dranbleiben, auch wenn’s unbequem wird?
  • Svadhyaya: Was habe ich heute über mich gelernt, ehrlich reflektiert und ohne Bewertung?
  • Ishvara Pranidhana: Wie kann ich vertrauen, statt zu kontrollieren?

Wenn du tiefer einsteigen willst, lohnt es sich, Yamas und Niyamas als wiederkehrendes Thema in deine Yoga-Praxis, dein Journaling oder deinen Alltag mitzunehmen. Schritt für Schritt, ohne Druck.

Fazit

Yamas und Niyamas sind kein theoretisches Konstrukt, sondern ein erstaunlich moderner Kompass: Wie gehe ich mit anderen um? Wie gehe ich mit mir selbst um? Und wie bringe ich beides in Einklang? 

Wenn du die Yamas und Niyamas als Einladung und nicht als Regelwerk verstehst entsteht eine Yogapraxis, die nicht bei den Asanas endet, sondern Einfluss auf deinen Alltag hat.² ⁴ ⁵

FAQ

Was sind die 5 Yamas?

Die fünf Yamas sind ethische Leitlinien für den Umgang mit anderen und der Umwelt: Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satya (Wahrhaftigkeit), Asteya (Nicht-Stehlen), Brahmacharya (Enthaltsamkeit/Selbstbeherrschung) und Aparigraha (Nicht-Anhaften).² ⁴ ⁵

Was sind die 5 Niyamas?

Die fünf Niyamas sind Prinzipien der persönlichen Lebensführung: Saucha (Reinheit), Santosha (Zufriedenheit), Tapas (Disziplin/Beständigkeit), Svadhyaya (Selbststudium) und Ishvara Pranidana (Hingabe/Vertrauen).² ⁵

Was bedeutet Yama auf Deutsch?

Yama wird u. a. mit „Zügel, Enthaltung, Selbstkontrolle“ übersetzt.¹ Im Yoga steht Yama außerdem für die erste Stufe des achtgliedrigen Yogapfads nach Patanjali.⁴

Was bedeutet Yamas?

Yamas ist der Plural von Yama und meint die fünf ethischen Prinzipien, die das Verhalten gegenüber Mitmenschen und Umwelt beschreiben. Sie gelten in den Quellen als Grundlage der Yoga-Praxis.² ⁴ ⁵

Quellen und weiterführende Informationen:

¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Yama
² https://wiki.yoga-vidya.de/Yamas, https://wiki.yoga-vidya.de/Niyama
³ https://www.lotuscrafts.com/blogs/blog/die-5-yamas-auf-dem-achtgliedrigen-pfad-des-yogas
⁴ https://www.yogaeasy.de/artikel/der-achtgliedrige-yogapfad-die-yamas
⁵ https://www.yuyoga.de/blog-yama-und-niyama-die-ethischen-grundregeln-im-yoga/