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Was bedeutet eigentlich Namaste?

Wir kennen es vom Yogaunterricht. Zum Ende der Stunde verabschiedet sich der Lehrer mit gefalteten Händen, einer Verbeugung und einem “Namasté”. Viele stimmen in den Gruß ein weil es eben jeder macht. Doch was bedeutet es und wieso tun wir es überhaupt?

Die Geste Namasté steht für die Überzeugung, dass sich in jedem Menschen etwas Höheres befindet – und zwar im Herzen. Wenn wir sie ausüben, würdigen wir damit unsere Gegenüber. “Nama” bedeutet verbeugen, “as” heißt ich und “te” du. Wörtlich übersetzt bedeutet Namasté also: “Ich verbeuge mich vor dir.”

Um Namasté auszuführen, bringen wir die Hände vor dem Herz aneinander, schließen unsere Augen und neigen den Kopf zum Herzen. Eine andere Variante ist, die Hände vor dem dritten Auge zusammenzubringen, den Kopf zu senken und anschließend die Hände nach unten auf Höhe des Herzens zu senken. Dabei handelt es sich um einen besonders tiefen Ausdruck von Respekt. Auch wenn man im Westen normalerweise das Wort “Namasté” in Verbindung mit der Geste sagt, versteht man in Indien die Geste selbst als Ausdruck von Namasté – deshalb ist es nicht notwendig, das Wort auszusprechen, während man sich verbeugt.

Idealerweise baut man Namasté sowohl am Anfang als auch am Ende der Yogastunde ein. Meistens legt man es ans Ende der Stunde, weil dann der Geist weniger aktiv und die Energie im Raum friedvoller ist. Der Lehrer leitet Namasté als Symbol der Dankbarkeit und des Respekts gegenüber seinen Schülern an und lädt diese im Gegenzug dazu ein, sich mit ihrem Lehrer zu verbinden.

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Pranayama Atemübungen

Atemübungen, Pranayama genannt, führen leider ein Schattendasein. Im Gegensatz zu Asanas und Meditation werden sie oft wie Accessoires behandelt: Ganz nett, aber nicht wesentlich für die Praxis.

Schade, denn der Atem spielt eine entscheidende Rolle bei uns Menschen. Wie wir atmen, hat Auswirkungen auf unseren Körper und unsere Psyche. Der Mensch atmet durchschnittlich etwa 25000 Mal pro Tag. Über den Atem nehmen wir Sauerstoff auf. Durch Stress, Verspannungen, schlechte Körperhaltung und schädliche Angewohnheiten atmen aber viele Menschen zu flach. Ihr System erhält so zu wenig Sauerstoff – eine der Folgen ist dann schnelle Ermüdung und Erschöpfung.

Die Wirkung von Pranayama

Die yogischen Atemübungen helfen uns zu einer natürlichen Atmung zurück zu finden. „Prana“ heißt Energie, „Ayama“ bedeutet „Kontrolle“. Mithilfe von “Pranayama” lernen wir, unseren Atem wieder bewusst wahrzunehmen und zu steuern – und so unsere Lebensenergie zu aktivieren und zum Fließen zu bringen.

Klingt esoterisch, funktioniert aber!  Wer schon mal in einer angespannten Situation für einige Atemzüge tief, und langsam geatmet hat, weiß, wie mächtig die Atmung ist – plötzlich denkt und fühlt man wieder klarer, der Stress reduzieren sich auf ein erträgliches Maß und das Herz schlägt ruhiger. Wenn also eine tiefe, ruhige Atmung schon so durchschlagende Wirkung hat, kann man sich vorstellen, dass ausgeklügelte Atemübungen, wie sie im Yoga vorkommen, noch viel wirkungsvoller sein können.

Die verschiedenen Pranayama-Übungen wirken effektiv gegen Stress und sorgen für Energieschübe, die kein Kaffee auslösen können. So gut wie alle wirken entgiftend. Auch bei konkreten Krankheitsbildern wie Asthma können bestimmte Atemübungen heilsam sein. Pranayama hilft beim Stressabbau und der Erweiterung der Lungenkapazität.

Warum hat Pranayama einen so starken Effekt auf Körper und Geist?

Die Wirkung von Pranayama wird zu großen Teilen durch die Wirkung des Atems auf das Nervensystem, vor allem den Sympathikus und den Parasympathikus erklärt:

  • Ausgleichende und beruhigende Atemübungen legen den Fokus auf eine lange Ausatmung. Diese aktiviert den Parasympathikus, den Teil unseres Nervensystems, dessen Aktivierung unter anderem den Blutdruck und die Herzfrequenz absenkt. Ist der Parasympathikus aktiv, sind wir entspannt und der Körper kann regenerieren und heilen. 
  • Aktivierende, anregende Atemübungen legen den Fokus auf die Einatmung und aktivieren so den Sympathikus, der Blutdruck und Herzfrequenz erhöht und uns wach und leistungsfähig macht.

Die Atmung ist also ein hocheffektives Kommunikationsmittel zwischen Körper und Geist – und zwar eines, das wir kontrollieren können!

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Tobias Holzinger

Spiritual Gangster

Was ist Spiritualität, ab wann bin ich spirituell und was in Gottes Namen ist ein Spiritual Gangster?


Alles Fragen, die ich mir gestellt habe als ich mit dem Yoga begann und die ich mir zum Teil heute noch stelle. Früher dachte ich, dass das Maß der Spiritualität abhängig ist von dem erlangten Wissen über Philosophie, welches man sich über die Zeit aneignet und umso mehr man darüber weiß, umso spiritueller sei man.

Heute weiß ich, dass die Denkweise, die ich damals hatte nicht stimmt und es vielleicht auch nur die Angst war, mir selber einzugestehen spirituell zu sein, da ich in meiner Zeit vor Yoga mehr Gangster als spirituell war.

Das eine schließt aber das andere nicht aus und man muss auch nicht im Ashram oder Kloster wohnen, um ein spirituelles Leben zu führen. Man kann immer und überall seine Spiritualität leben, auch wenn man lange gebraucht hat diese Tür zu finden, steht sie immer für jeden jederzeit offen.

Ich glaube, dass jeder von uns einen spirituellen Kern hat und dies ist unabhängig davon, ob man Yoga praktiziert oder eine andere spirituelle Praxis ausübt, er ist einfach von Geburt an vorhanden.
Wie und in welcher Weise wir die Spiritualität entwickeln, das liegt an uns und wenn wir diesen Weg einschlagen und unser Bewusstsein dahin ausrichten, verändert sich unsere Wahrnehmung und folglich unsere Sichtweise auf die Welt.

Wir merken dann dass da mehr für uns vorgesehen ist im Leben als der Job, das Eigenheim und all die materiellen Dinge.

Spiritualität ermöglicht uns, Dinge zu sehen, die wirklich wichtig sind in unserem Leben, wir können wieder einen Zugang finden zu einer höheren Wirklichkeit, sie lässt uns über den Tellerrand schauen, sie führt uns zur Selbsterkenntnis und ist ein Freund und Begleiter deiner Praxis um diese zu bereichern. Es beschreibt unser Verhältnis zur geistigen Welt, dem Formlosen, Transzendenten, und den vielen Formen des Göttlichen oder wie auch immer wir es nennen wollen.

Mir persönlich hat die Yoga Praxis geholfen in Hinsicht der Spiritualität offener und neugieriger zu werden und auf Dinge, die man nicht einfach so erklären oder beweisen kann zu vertrauen. Besonders im Chanten von Mantras lag für mich immer ein ganz besonderer Zauber, es hat mich Dinge erfahren lassen, die man nur schwer erklären kann und hat so auch mein spirituelles Wachstum gefördert.

Spiritualität gibt einem das unterschwellige Gefühl, dass es da noch mehr gibt, es ist etwas zwischen den Zeilen und fühlt sich lebendig an – es ist einfach faszinierend.

Just do it, just be spiritual!

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Sthira Sukham Asanam

Wie soll eine Yogaübung ausgeführt werden? – Mit Leichtigkeit und Stabilität

Im Hatha-Yoga geht es darum, zwischen den Polaritäten in eine Balance zu finden. Die Asana-Praxis beinhaltet dieses ständige Austarieren zwischen Aktivität und Entspannung, Aktivität und Passivität, Stabilität und Leichtigkeit.

Sthira Sukham Asanam

Du kannst Yoga auf sehr unterschiedliche Weisen praktizieren. Es gibt aber Richtung, die angibt, wie Yogaübungen ausfgeführt werden sollten. Diese Angabe ist sehr alt aber aktuell denn je. Der indische Gelehrte Patanjali schrieb vor a. 2000 Jahren im Yoga Sutra: STHIRA SUKHAM ASANAM

Übersetzt bedeutet das:

Sthira = stabil, fest

Sukham = leicht, glücklich, angenehm

Asana = Körperhaltung /- übung

Ein Asana sollte also einerseits stabil und andererseits leicht sein. 

Sthira

Sthira steht nicht ohne Grund an erster Stelle. Wir brauchen erst mal eine gute Basis, eine feste Stabilität, um uns von dort aus frei bewegen zu können. Das gilt eigentlich für das ganze Leben. Wir können kein Glück und keine Leichtigkeit erfahren, wenn die Basis nicht stimmt. Die Basis bestimmt eigentlich alles. Deswegen ist es z.B. auf energetischer Ebene so wichtig, als allererstes das Wurzelchakra zu stärken. Für die Asanapraxis bedeutet das, dass es als Allererstes um die richtige Ausrichtung geht – angefangen mit der Basis. Ohne den korrekten, stützenden Aufbau sackst du iin der Asana zusammen und belastest empfindliche Strukturen deines Körpers.

Sukham

Erst dann kommt die zweite Komponente dazu: sukha. Wenn die stabile Basis gefunden ist, geht es darum, die Haltungen (wie auch das Leben) mit Leichtigkeit, Freude und Entspanntheit zu erfahren. Am Anfang fühlt sich deine Position vielleicht noch nicht wirklich leicht an, aber gerade dann geht es darum, in der Stabilität immer mehr Leichtigkeit zu entwickeln. Im Körper, im Gefühl aber vor allem im Kopf! Geh entspannt an deine Praxis und dein Tun, mach dir keinen Kopf über Erfolg oder Misserfolg (diese Worte haben in Verbindung mit Yoga nichts verloren), geniesse das Sein und den Moment – und das egal um was es geht!

Kurz um: es geht um Balance zwischen Stabilität oder Stärke und Leichtigkeit. Im Yoga wie im wahren Leben.

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Maja Mast

Beppo Strassenkehrer

Auszug aus “Momo” von Michael Ende

Wenn jemand auch sehr viele Freunde hat, so gibt es darunter doch immer einige wenige, die einem ganz besonders nahestehen und die einem die allerliebsten sind. Und so war es auch bei Momo.

Sie hatte zwei allerbeste Freunde, die beide jeden Tag zu ihr kamen und alles mit ihr teilten, was sie hatten. Der eine war jung, und der andere war alt. Und Momo hätte nicht sagen können, welchen von beiden sie lieber hatte.

Der Alte hieß Beppo Straßenkehrer. In Wirklichkeit hatte er wohl einen anderen Namen, aber da er von Beruf Straßenkehrer war und alle ihn deshalb so nannten, nannte er sich selbst auch so. Beppo Straßenkehrer wohnte in der Nähe des Amphitheaters in einer Hütte, die er sich aus Ziegelsteinen, Wellblechstücken und Dachpappe selbst zusammengebaut hatte. Er war ungewöhnlich klein und ging obendrein immer ein bißchen gebückt, so daß er Momo nur wenig überragte. Seinen großen Kopf, auf dem ein kurzer weißer Haarschopf in die Höhe stand, hielt er stets etwas schräg, und auf der Nase trug er eine kleine Brille. Manche Leute waren der Ansicht, Beppo Straßenkehrer sei nicht ganz richtig im Kopf. Das kam daher, daß er auf Fragen nur freundlich lächelte und keine Antwort gab. Er dachte nach. Und wenn er eine Antwort nicht nötig fand, schwieg er. Wenn er aber eine für nötig hielt, dann dachte er über diese Antwort nach. Manchmal dauerte es zwei Stunden, mitunter aber auch einen ganzen Tag, bis er etwas erwiderte. Inzwischen hatte der andere natürlich vergessen, was er gefragt hatte, und Beppos Worte kamen ihm wunderlich vor.

Nur Momo konnte so lange warten und verstand, was er sagte. Sie wußte, daß er sich so viel Zeit nahm, um niemals etwas Unwahres zu sagen. Denn nach seiner Meinung kam alles Unglück der Welt von den vielen Lügen, den absichtlichen, aber auch den unabsichtlichen, die nur aus Eile oder Ungenauigkeit entstehen.

Er fuhr jeden Morgen lange vor Tagesanbruch mit seinem alten, quietschenden Fahrrad in die Stadt zu einem großen Gebäude. Dort wartete er in einem Hof zusammen mit seinen Kollegen, bis man ihm einen Besen und einen Karren gab und ihm eine bestimmte Straße zuwies, die er kehren sollte.

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wußte, es war eine sehr notwendige Arbeit.

Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug – Besenstrich. Schritt – Atemzug – Besenstrich.

Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte. „Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluß ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: „Das ist wichtig.“