Veröffentlicht am

Be here now!

“Wie gehts?” – “Wie läufts”?

Hört ihr das gerade auch viel öfter als früher? Die Situation lässt diese Fragen natürlich viel häufiger zu, denn das Leben dreht sich gerade so schnell wie nie zuvor. Was heut ist, ist morgen vielleicht schon nicht mehr. Jeden Tag eine neue Situation, der wir uns anpassen müssen. Ist die Krise überstanden, dürfen wir uns zurecht “Weltmeister der Adaption” nennen. Mache von uns tragen diesen Titel inzwischen gerne und freuen sich über ihre neu erlangte Fähigkeit sich einlassen zu können, sich anpassen zu können und das ohne sich selbst dabei untreu zu werden. Es geht ja schließlich nicht darum sich zu verbiegen! 

Andere tragen ihn eher gezwungenermaßen. Über ihren Köpfen schweben große Fragezeichen und Ausrufezeichen. Die Angst hinter dem Ungewissen einfach zu groß ist. Woher resultiert diese Angst? Wurde eine Pandemie schon mal am eigenen Leibe durchlebt? Wurden die Folgen schon mal durchlebt (noch sind wir mittendrin und kennen die Auswirkungen in Gänze noch nicht)? Wenn ja, wäre die Angst, die hemmt und vielleicht verzweifeln lässt durchaus verständlich. Das Gute daran: diese Erfahrung liegt in der Vergangenheit. Sie WAR. Sie IST nicht! Denn wir leben JETZT. Setzen wir uns mit der Gegenwart auseinander, können Befürchtungen, die aus Erfahrungen resultieren, bei Seite geschoben werden. Das Sorgenpaket auf unseren Schultern wird kleiner. Die Zukunft, das große Fragezeichen, ist eine Fiktion, die wir uns aufgrund unserer Prägung und Erfahrung selbst gestalten. Sie ist für uns eine Vorstellung in unseren Köpfen. Jeder hat seine eigene Idee davon. Manche Ideen werden sich bewahrheiten, manche liegen komplett daneben. Wir wissen es einfach nicht wie sich die Dinge entwicklen werden. Warum also sollten wir uns in Angst versetzen lassen?

Atha yoga anushasanam (Yoga Sutra I.1) – Be here now!

Wir wünschen euch viel Gelassenheit und einen Kalender, der euch immer nur den heutigen Tag anzeigt. Genießt ihn!

Veröffentlicht am

Sei ehrlich zu Dir selbst!

Corona Sommer 2020. Wolltet ihr eigentlich auch in Urlaub fahren und habt jetzt storniert? Oder wurde er vielleicht sogar storniert?

„Ach, wäre wahrscheinlich eh nicht so schön gewesen!“

„Zuhause bleiben ist doch viel billiger“

Ja, das ist es! Aber was es vor allem ist: ärgerlich und saublöd!

Klar, wären wir super gern in Urlaub gefahren (ohne Corona natürlich). Klar, könnten wir uns sehr gut am Strand mit einem monströsen Eis in der Hand vorstellen!

Wenn es mal nicht so läuft wie geplant, hat unser Hirn schnell Plan B zur Hand: das Schönreden! Vermeintlich unschöne Situationen werden schnell rationell erklärt um unseren Emotionen keinen Raum zu geben. Ein Schutzmechanismus, mit dem Ziel an unseren Glaubenssätzen fest zu halten. Glaubenssätze, die durch Prägungen und Erfahrungen definiert wurden und uns weismachen, das es absolut nicht okay ist mal richtig sauer zu sein. Emotionen zu zeigen ist nicht gut! Angepasstheit ist Trumpf! 

Dabei führt das Schönreden, die sachliche Erklärung, eigentlich zu nichts anderem als einer kleinen Lüge uns selbst gegenüber. Denn im tiefsten Inneren wissen wir, das wir eigentlich stinksauer sind. 

Dabei sind Emotionen ein wichtiges Werkzeug, das uns lenkt und uns zeigt wenn zB eine Grenze überschritten wurde (Wut), eine kleine Wunde in unserem Inneren entstanden ist (Traurigkeit). Emotionen zu übergehen und zu unterdrücken führt dazu, das diese Wunde nicht geschlossen werden kann. Emotionen wollen angenommen und gespürt werden – dafür sind sie da!

Leichter gesagt als getan, denn von alten Denk- und Verhaltens-Mustern lassen wir nur sehr ungern los. 

Ich möchte euch dazu einladen, das nächste mal, wenn ihr in einer Situation seid, die euch so absolut nicht schmeckt, bewusst in euren Körper spürt. Gibt es da vielleicht eine Enge, ein komisches Gefühl? Könnte das eine unterdrückte Emotion sein, die sich über unseren Körper äußert?

Wenn ja, versuch sie anzunehmen. Akzeptiere sie, lasse sie zu und lasse sie raus. Und siehe da, sie wird sich bei dir dafür bedanken das sie kommen durfte und danach friedlich wieder gehen!

Und vielleicht schmeckt, nach einem lautem „Sch…“ dein riesengroßes Eis ja auch zuhause ganz gut!

Für mehr Ehrlichkeit dir selbst gegenüber!

Veröffentlicht am

Die Wirkung von Yoga

Yoga wirkt unterschiedlich. Yoga wirkt nicht nur über die einzelnen Asanas. Aus der gesamten Yogapraxis entsteht eine Gesamtwirkung, die über die bloße Asana-Wirkung hinausgehen. Yoga wirkt – auf verschiedenen Ebenen – im gesamten Menschen und ermöglicht dadurch in vielerlei Hinsicht, Abhilfe zu schaffen. 

Yoga für eine bessere Sauerstoff-Versorgung

Respiratorische Wirkung

Asanas und Pranayama beeinflussen eine Reihe von Lungenfunktionsparametern: die Ruheatemfrequenz nimmt ab. Atemzugvolumen, Atemgrenzwert, Ein-Sekunden-Kapazität und Vitalkapazität nehmen zu. Bei Yogis, die regelmäßig ihre Atmung schulen (Pranayama praktizieren), kann eine deutlich erhöhte Aufnahme von Sauerstoff nachgewiesen werden. Das Resultat macht sich in Körper und Geist bemerkbar. Muskeln können durch eine erhöhte Sauerstoffversorgung ausdauernder arbeiten, und die geistige Wahrnehmung sowie die Konzentrationsfähigkeit kann dadurch verbessert werden.

Yoga für ein stärkeres Nervensystem

Neuropsychologische Wirkung

Durch regelmäßiges Yoga-Training sinken visuelle und auditorische Reaktionszeiten (Zeit, die man benötigt, um auf ein sichtbares oder hörbares Signal zu reagieren) signifikant ab. Nervosität und innere Spannungen werden abgebaut, die Konzentrations- und Merkfähigkeit sowie die Leistungsfähigkeit werden gesteigert. Regelmäßige Yoga-Praxis führt zu verringertem Neurotizismus (Neigung zu neurotischen Veränderungen) sowie Depression und Angst sowie zu gesteigerter Extroversion, Geselligkeit und Glücklichkeit. Die Stresstoleranz steigt, was sich in einem geringeren Pulsanstieg sowie einer geringeren mentalen Ermüdbarkeit widerspiegelt.

Yoga für effektivere Muskelarbeit

Muskuloskelettale Wirkung

Yoga hat einen ganzheitlichen Effekt, was bei vielen anderen Sportarten nicht der Fall ist. Oft werden entweder lange oder kurze Muskeln gestärkt. Das kann zu einem Ungleichgewicht und Fehlstellungen führen oder erhöhte Verletzungsrisiken mit sich bringen. Ein ganzheitlicher Effekt bedeutet, Ausgleich zwischen konzentrischen und exzentrischen Muskelkontraktionen zu schaffen. Dadurch werden auch lange, schmale Muskeln, die belastbarer und weniger verletzungsanfällig sind als kurze Muskeln, ausgebildet und gestärkt. Yoga verbessert die Durchblutung und sorgt damit für ein besseres Sauerstoffangebot der Extremitäten. Die Muskelkraft nimmt dadurch zu und die Ausdauerleistung steigt. Bereits nach kurzer aber intensiver Yoga-Praxis konnte in Studien eine verbesserte neuromotorische Koordination (Zusammenspiel von Nerven und Muskeln) nachgewiesen werden. Eine erhöhte Effektivität und Selektivität des Muskeleinsatzes ist das Ergebnis. 

Yoga für eine bessere Verdauung

Gastrointestinale Wirkung

Durch diverse Asanas werden die inneren Organe von aussen gedrückt, gedehnt und massiert. Diese Bewegungen führen im Magen-Darm-Trakt zu reaktiven Kontraktionen der Darmmuskulatur und regen dadurch die Darmmotorik an. Das Ergebnis ist eine bessere Verdauung. 

Yoga für einen gesünderen Herzkreislauf

Kardiovaskuläre Wirkung

Yoga nimmt zwar nur einen Teil der Herz-Kapazität in Anspruch, aber trotzdem wirkt sich Yoga positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Je nach Asana-Abfolge oder Einsatz von Pranayama können durch Yoga der Blutdruck und die Herzfrequenz gesteigert oder gesenkt werden. Generell gilt aber, dass bei regelmäßigem Praktizieren der Blutdruck sinkt und somit die Herzarterien geschmeidiger werden. Die Gesundheit des Herz-Kreislauf wird dadurch enorm gesteigert. 

Yoga für einen besseren Stoffwechsel

Metabolische Wirkung

Regelmäßige Yogapraxis hilft, durch körperliche Aktivität, Ernährungsveränderung und neue Lebensgewohnheiten das Körpergewicht zu reduzieren. Yoga verändert den Gasaustausch (Sauerstoff-Aufnahme / Kohlendioxid-Abgabe) und den Energieumsatz (wie viel Energie wird verbraucht). Je nach Technik kann beides durch Yoga gesenkt oder gesteigert werden. Bei regelmäßiger Yoga-Praxis sinken Körperkern- und Hauttemperatur in Ruhe. Dies führt eine Steigerung der Kältetoleranz sowie Thermogenese (Wärmebildung) über stoffwechselanregende Hormone herbei. Zusätzlich wird durch Yoga der Cholesterinspiegel gesenkt. 

Veröffentlicht am

Was sind eigentlich Mantren?

Mantren gibt es seit mehreren Tausend Jahren. Sie sind Silben, einzelne Worte oder ganze Verse in Sanskrit. Mantren haben ihren Ursprung in den frühen indischen und tibetischen Völkern, deren Schamanen die positive Wirkung der Musik bemerkt haben. Traditionell wurden Mantren von Lehrern an ihre Schüler weitergegeben. Heute gibt es unzählige Mantren für die verschiedensten Lebenssituationen. Grob wird in zwei unterschiedliche Gruppen unterschieden: Moksha- und Siddhi-Mantren.  Moksha-Mantren sollen zur Befreiung und Erleuchtung führen, wie zum Beispiel das berühmte Mantra “OM”. Siddhi-Mantren hingegen sollen bestimmte Kräfte und Energien freisetzen und somit schützen oder heilen. 
Das Mantra „OM“ ist das wohl berühmteste und häufigsten verwendete Mantra. Mehr über OM könnt ihr hier nachlesen.

Die Wirkung von Mantren

Mantren werden verschiedene Wirkungen nachgesagt. Sie berühren, inspirieren, trösten, beflügeln und geben Kraft. Sie befreien von negativen Gedanken und aktivieren die Chakren. Im Yoga wird ein Mantra gerne während der Meditation, vor oder nach der Praxis wiederholt. Der Lehrer spricht es einmal vor und die Teilnehmer wiederholen es. 

Das Denken, Flüstern, Sprechen oder Singen eines Mantras über einen längeren Zeitraum hinweg verleiht ein nahezu meditatives Gefühl. Auf diese Weise manifestiert sich der Glaubenssatz oder Wunsch hinter dem Mantra in das Unterbewusstsein.

Mantra-Meditation gehört zu den häufigsten Entspannungtechniken. Es ist dazu gar nicht ausschlaggebend ob jedes einzelne Wort perfekt verstanden wird, denn Mantren wirken nicht über das Verstehen sondern eher über das Rezitieren und die damit verbundene Hingabe der Wiederholung. Durch das fortlaufende Wiederholen im immer gleichen Rhythmus entstehen Klangschwingungen, die auf auf unser Inneres, unsere Seele, wirken. Die entstehenden Vibrationen spenden Kraft, beruhigen den Geist und bringen in einen meditativen Zustand.

Kirtan

Wer solche Erfahrung in seinem Leben erleben möchte, ist bei Kirtan-Abenden bestens aufgehoben. Hier werden gemeinsam in der Gruppe Mantren gesungen, oft begleitet von einem Harmonium oder anderen Instrumenten. Je öfter man solche Abende besucht, desto mehr Mantren kennt man und kann sich voll und ganz auf das Singen und auf die überströmende Energie konzentrieren. In großen Gruppen fließt die Energie besonders, da sich die Vibrationen schneller aufbauen und den ganzen Raum zum Leuchten bringen.

——————————-

Veröffentlicht am

Gute Vorsätze mit Leichtigkeit befolgen

Neues Jahr – Neues Glück

Das Neue Jahr ist bald da! Und mit ihm ein neuer Versuch all die Laster loszuwerden, die uns die vergangenen Monate und Jahre begleitet haben. Sei es weniger Alkohol zu trinken, das Rauchen aufzugeben, kein Fleisch mehr zu essen, 5kg abzunehmen oder mehr Sport zu treiben, das Neujahr wird dazu genutzt, die sich selbst auferlegten Ziele (mal wieder) zu befolgen. Blauäugig – in dem Glauben all das verändern zu können was wir uns vorgenommen haben – starten wir motiviert in das neue Jahr. Am 1.1. (noch) essen wir gesünder, rauchen und trinken weniger und überwinden sogar den inneren Schweinehund und gehen zum Sport…

Das Problem mit der Motivation

Leider ist unsere Motivation meist von kurzer Dauer und wir scheitern an den mit der Veränderung verbundenen Mühen. Alle Jahre wieder fallen wir zurück in alte Muster und verstärken diese dadurch noch zusätzlich. Dabei würde uns der gute Vorsatz ‚jeden Tag 10 Minuten Yoga praktizieren’ enorm dazu verhelfen auch unsere anderen guten Vorsätze zu befolgen.

Warum ist das Befolgen guter Vorsätze so schwer?

Es sind unsere alten, eingefahrenen Muster und Verhaltensweisen die es uns erschweren, das zu tun waswir wirklich wollen. Über viele Jahre hat sich die Art und Weise wie wir denken, reagieren und handeln tief in unseren Gehirnen verankert. Je öfter ein Gedanke gedacht oder eine Aktion vollzogen wird, umso tiefer ist die Spur, die es in unserem Gehirn hinterlässt. Eine Umkehrung – immer schwieriger.

Haben wir beispielsweise über viele Jahre gelernt morgens beim Kaffee eine Zigarette zu rauchen, wird unsere Psyche aus Gewohnheit automatisch bei Kaffeegeruch nach Zigaretten verlangen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die ständige Wiederholung von Gedanken, Reaktionen und Handlungen früher oder später verselbstständigt und ohne das Zutun des Bewusstseins erfolgt. Unser Körper und unsere Psyche sind konditioniert genauso und nicht anders zu handeln. Egal wie groß unser Vorsatz ist etwas in unserem Leben zu verändern, die Erfahrungen und Handlungen der Vergangenheit erschweren, ob wir wollen oder nicht, das Befolgen unserer Ziele und werfen uns immer wieder in alte Verhaltensweisen zurück.

Yoga erleichtert die Veränderung

Nach Patañjali  wurden diese Konditionierungen (automatische Reaktionen auf innere und äußere Reize) im Verlauf mehrerer Leben erworben und wirken als Kleshas (innere Spannungen, die menschliches Leid verursachen) bis in das Heute hinein. Sie führen dazu, dass wir immer wieder in alte Verhaltensweisen verfallen und unsere Fehler wiederholen. Um den Einfluss der Kleshas zu überwinden beschreibt Patañjali den achtgliedrigen Pfad. Die Yoga-Sūtra, so die Intention Patañjalis, sollen die Menschen durch handelbare Leitlinien aus den leidvollen, inneren Spannungen herausführen, so dass eine wahre innere Freiheit und Freude möglich wird.

Unser Geist ist wandelbar!

Der Yoga geht davon aus, dass der menschliche Geist immer und zu allen Zeiten, unabhängig von äußeren Umständen, das Potential zur Veränderung bietet. Und genauso verhält es sich. Das hat auch die moderne Neuropsychologie erkannt: Das menschliche Gehirn ist bis ins hohe Alter neuroplastisch! Das bedeutet, dass wir zu jeder Zeit in der Lage sind Neues zu erlernen und alte Muster und Gewohnheiten fallen zu lassen. Und genau dabei bietet uns der Yoga eine große Stütze.

Durchhaltevermögen stärken – durch Yoga

Das geschieht vor allem dadurch, dass der Yoga unsere hirninternen Prozesse positiv beeinflusst. Er fördert (u. A.) die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin und führt langfristig dazu, dass neue, mit positiven Empfindungen und Erfahrungen verknüpfte neuronale Verbindungen in unseren Gehirnen entstehen können. Das wiederrum macht sich sowohl in unserer Stimmung als auch in unserer Motivation und unserem Verhalten bemerkbar. Die positiven Erfahrungen mit und in uns selbst verhelfen langfristig dazu, dass wir selbstbestimmter, bewusster und zielgerichteter werden und das tun, was wir wirklich wollen. Nur so können alte Denk- und Handlungsweisen langfristig durch neue ersetzt werden.

Innere Wandlung durch Yoga

Der Yoga setzt in unserem Inneren an. Er verändert unsere emotionalen und  körperlichen Reaktionen auf äußere Umstände und führt dazu, dass Verhaltens- und Reaktionsweisen, die uns schaden (zum Beispiel das Greifen zur Zigarette beim Kaffeegeruch) langfristig „stillgelegt“ werden können. Dabei gilt: Je stärker und positiver die Erfahrung und je regelmäßiger die Übung umso leichter etablieren sich die neuen neuronalen Verbindungen in unserem Gehirn. Die Folge: Immer besser werden wir in der Lage sein unsere Emotionen zu kontrollieren, Rückschläge zu akzeptieren und unabhängig davon was geschieht weiterhin unseren eigenen Weg zu gehen… von Augenblick zu Augenblick…

Durchhalten – von Moment zu Moment

Yoga ist die Praxis der Gegenwärtigkeit. Das was zählt ist das Jetzt – der gegenwärtige Augenblick. Konzentrieren wir uns auf die Gegenwart, ist es einfacher unsere guten Vorsätze zu befolgen. Achten wir darauf von Augenblick zu Augenblick durchzuhalten und nicht über gestern und morgen nachdenken ist es auch wahrscheinlicher, dass wir von Moment zu Moment standhaft bleiben. Das Verbleiben in der Gegenwart allerdings bedarf einer stetigen Einübung der Achtsamkeit. Nur so wird uns bewusst wenn wir mal wieder innerlich „abschweifen“.

Ist es wirklich unser Wille?

Besonders anstrengend ist das Befolgen guter Vorsätze wenn die Motivation zur Veränderung nicht bei uns sondern bei unserem Partner oder unsere Familie liegt. „Hör doch endlich auf zu rauchen!“ oder „Nimm ab!“ sind nur einige Beispiele, wie unsere Lieben unser Verhalten beeinflussen wollen.

Unser Ego als die Ursache des Leidens

So verändern wir kurzfristig „das Außen“ und denken, dass uns weniger Zigaretten und ein schlankerer Körper tatsächlich mehr Glück und Zufriedenheit bescheren. Dass unser Partner uns mehr liebt wenn wir das tun was er/sie von uns verlangt… Unser Ego hechelt nach Bestätigung… „Du hast so schön abgenommen, Du rauchst nicht mehr? WOW!“, sagen die anderen… Kurzfristig fühlen wir uns geliebt, angenommen, stark und schön – Unser Ego bekommt Nahrung…

Dem Yoga zu Folge ist das Ego allerdings die Ursache allen Leides. Es „will“, oder „will nicht“, übt Druck aus,  „erwartet“ und beurteilt. Werden seine materiellen und egogeprägten Wünsche nicht erfüllt leiden wir. Gleiches gilt für das Befolgen der sich selbst gegenüber auferlegten Ziele. Je mehr Druck wir oder andere auf uns ausüben umso unwahrscheinlicher wird es sein, dass uns die erwünschte Veränderung gelingt. Mit jedem Scheitern wiederrum werden wir unzufriedener.

Aufräumen „innen“ und „Außen“ – Klarheit schaffen durch Yoga

Eine wahre Veränderung ist keine spontane Sache. Sie erwächst ganz langsam, tief aus unserem Inneren heraus – durch die urteilsfreie ungetrübte Wahrnehmung von uns Selbst während unserer Yogapraxis. Nur durch die achtsame Beobachtung all dessen, was ist, wird uns ganz langsam und genau bewusst wer wir heute sind, was immer noch zu uns gehört und was wir nicht mehr in unserem Leben haben wollen.

Neues braucht Platz

Genau aus diesem Grund ist es auch so wichtig sich von Verhaltensweisen Sachen und Menschen zu lösen, die uns in unserer persönlichen Entwicklung behindern. Das Festhalten (im Yoga „Raga“ = Anhaftung/ Gier) führt zu Unzufriedenheit, verstärkt negative Emotionen und schürt Böswilligkeit, Hass und Zorn. Ein Kreislauf des Leidens bzw der Unzufriedenheit entsteht.

„Raga“ – Anhaftung und Gier als Ursache für das menschliche Leid / Unzufriedenheit

Raga“ ist dem Yoga zu Folge eine der 5 Ursachen (Kleshas) für das menschliche Leid. Die Gier nach Vergnügen und das Streben nach der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse führt dazu, dass wir nicht „loslassen“ an guten und schlechten Vorlieben festhalten. Das Streben nach positiver emotionaler Erfahrung steuert unbewusst unsere Gedanken, die wiederrum das eigene Wollen und Handeln steuern. Wir erwarten, dass uns äußere Umstände Glück bescheren. „Wenn ich endlich das neue Auto, Haus, Handy… etc.  habe, dann wird alles besser“. Erwartungen aber können fast immer nur enttäuscht werden. Sie machen uns langfristig immer unzufriedener und führen so zu noch mehr Leid.

„Raga“ – Anhaftung und Gier im Umgang mit den Anderen

Auch Freundschaften und Liebesbeziehungen, an denen wir anhaften, obwohl sie uns schon seit langem keine Befriedigung und Freude mehr schenken, verursachen Kummer und Leid. Wir wollen entweder, dass uns die anderen glücklich machen oder wir verbleiben aus Angewohnheit, Bequemlichkeit oder Angst vor ungewisser Zukunft in den destruktiven Beziehungsstrukturen.

„Ich hasse Dich – verlasse mich nicht“

Dabei hat das Verbleiben in ungesunden Beziehungskonstellationen besonders gravierende Folgen. Umgeben wir uns mit Menschen, die uns negativ beeinflussen und die immer wieder bewusst oder unbewusst alte Wunden aufbrechen und destruktive Muster aktivieren, wird es für uns fast unmöglich werden uns in eine positive Richtung zu verändern. Jeder einzelne Rückschlag wiederrum beeinflusst den Glauben an uns selbst und an unsere Fähigkeiten zu Veränderung negativ und verstärkt genau die neuronalen Bahnen in unserem Gehirn, die die unerwünschten Verhaltensweisen und Emotionen repräsentieren. Wir verbleiben in den negativen Denk- und Handlungsstrukturen, stagnieren und werden früher oder später genauso wie die Menschen, die uns umgeben. Nicht von ungefähr kommt das griechische Sprichwort: „Zeig mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist.“

Und trotzdem gehen wir nicht – wir bleiben, hoffen dass er oder sie sich „ändert“ und leiden weiter. Wir haben Angst vor dem Alleinsein – Angst uns zu „lösen“. Dabei ist Anhaftung aus Gewohnheit weder Freundschaft noch Liebe – es ist eine durch das Ego verursachte Anhaftung.

„Loslassen“ lernen durch Yoga

Das Gegenteil von Anhaftung an Materielles und an Beziehung ist folglich das „Loslassen“.  Wie aber lasse ich etwas oder jemanden los das mich über Jahre hinweg begleitet hat?

Zu aller erst ist es wichtig innerhalb der Meditationspraxis zu begreifen, dass weder Materielles noch Bindung wahre Zufriedenheit und Freude bringen können. Beides sind äußere Faktoren, die nur kurzfristig „Linderung“ und positive Emotionen schaffen. Sich das einzugestehen ist nicht einfach und bedarf Mut und geistiger Offenheit. Immer wieder müssen wir uns innerhalb der Meditation in Frage zu stellen, neu definieren und neu kennenlernen. Nicht anzuhaften bedeutet auch Menschen, Situationen und Dinge so anzunehmen wie sie wirklich sind. Nur wenn wir es schaffen Anhaftung zu überwinden werden wir, der Yogaphilosophie zu Folge unser wahres Sein, Wissen und Glückseligkeit (Satchidananda) erfahren.

——————————-

Text von: Dr. Maria Wolke – Dr. der Psychologie, Yoga Lehrerin, Therapeutin und Autorin.

Veröffentlicht am

Der Sonnengruß „Surya Namaskar“

Warum üben wir den Sonnengruß?

Der Sonnengruß ist eine perfekt aufeinander abgestimmte Abfolge von Asanas, die fließend miteinander verbunden werden. Jede einzelne davon hat körperliche, psychische und physische Wirkungen, die sich in Kombination und bei mehrfacher Wiederholung des Sonnengrußes verstärken.

So wirkt der Sonnengruß

  • Der Sonnengruß wärmt den Körper auf und dehnt ihn durch und bereitet ihn so auf die nachfolgende Asana-Praxis vor.
  • Er aktiviert den Körper und bringt die Energien zum Fließen
  • Wenn die Bewegungen des Sonnengrußes in Einklang mit der Atmung ausgeführt werden, verbindet das deinen Körper und deinen Geist.
  • Er stärkt bei mehrfacher Wiederholung den gesamten Körper – wer keine Zeit für eine ausführliche tägliche Praxis hat, kommt schon mit 5 bis 10 Sonnengrüßen täglich sehr weit!
Veröffentlicht am

„Pranayama“ Atemübungen

Atemübungen, Pranayama genannt, führen leider ein Schattendasein. Im Gegensatz zu Asanas und Meditation werden sie oft wie Accessoires behandelt: Ganz nett, aber nicht wesentlich für die Praxis.

Schade, denn der Atem spielt eine entscheidende Rolle bei uns Menschen. Wie wir atmen, hat Auswirkungen auf unseren Körper und unsere Psyche. Der Mensch atmet durchschnittlich etwa 25000 Mal pro Tag. Über den Atem nehmen wir Sauerstoff auf. Durch Stress, Verspannungen, schlechte Körperhaltung und schädliche Angewohnheiten atmen aber viele Menschen zu flach. Ihr System erhält so zu wenig Sauerstoff – eine der Folgen ist dann schnelle Ermüdung und Erschöpfung.

Die Wirkung von Pranayama

Die yogischen Atemübungen helfen uns zu einer natürlichen Atmung zurück zu finden. „Prana“ heißt Energie, „Ayama“ bedeutet „Kontrolle“. Mithilfe von “Pranayama” lernen wir, unseren Atem wieder bewusst wahrzunehmen und zu steuern – und so unsere Lebensenergie zu aktivieren und zum Fließen zu bringen.

Klingt esoterisch, funktioniert aber!  Wer schon mal in einer angespannten Situation für einige Atemzüge tief, und langsam geatmet hat, weiß, wie mächtig die Atmung ist – plötzlich denkt und fühlt man wieder klarer, der Stress reduzieren sich auf ein erträgliches Maß und das Herz schlägt ruhiger. Wenn also eine tiefe, ruhige Atmung schon so durchschlagende Wirkung hat, kann man sich vorstellen, dass ausgeklügelte Atemübungen, wie sie im Yoga vorkommen, noch viel wirkungsvoller sein können.

Die verschiedenen Pranayama-Übungen wirken effektiv gegen Stress und sorgen für Energieschübe, die kein Kaffee auslösen können. So gut wie alle wirken entgiftend. Auch bei konkreten Krankheitsbildern wie Asthma können bestimmte Atemübungen heilsam sein. Pranayama hilft beim Stressabbau und der Erweiterung der Lungenkapazität.

Warum hat Pranayama einen so starken Effekt auf Körper und Geist?

Die Wirkung von Pranayama wird zu großen Teilen durch die Wirkung des Atems auf das Nervensystem, vor allem den Sympathikus und den Parasympathikus erklärt:

  • Ausgleichende und beruhigende Atemübungen legen den Fokus auf eine lange Ausatmung. Diese aktiviert den Parasympathikus, den Teil unseres Nervensystems, dessen Aktivierung unter anderem den Blutdruck und die Herzfrequenz absenkt. Ist der Parasympathikus aktiv, sind wir entspannt und der Körper kann regenerieren und heilen. 
  • Aktivierende, anregende Atemübungen legen den Fokus auf die Einatmung und aktivieren so den Sympathikus, der Blutdruck und Herzfrequenz erhöht und uns wach und leistungsfähig macht.

Die Atmung ist also ein hocheffektives Kommunikationsmittel zwischen Körper und Geist – und zwar eines, das wir kontrollieren können!

Veröffentlicht am

Was genau bedeutet „Om“?

Genau wie Namasté ist „Om“ ein Wort, das auch über die Yogi-Grenzen hinweg eigentlich jeder kennt. Was genau bedeutet diese Silbe, die von Yogis schon seit Jahrtausenden verwendet wird?

Herkunft

Om wird auch als heilige Silbe bezeichnet. In der Sanskrit-Schreibweise ist nicht von Om, sondern von AUM die Rede. Die Silbe AUM besteht aus den drei Buchstaben A, U und M.

Diese drei Buchstaben stehen entweder für die drei Götter Vishnu (A), Shiva (U) und Brahma (M) oder werden als Symbole für drei Bewusstseinszustände verstanden: A bedeutet Wachen, U steht für Träumen und M für Tiefschlaf. Hinzu kommt ein vierter Zustand: die Stille. Eigentlich besteht Om also nicht aus drei, sondern aus vier Teilen, von denen man aber bei der Aussprache nicht alle hört.

Was bedeutet “Om” genau?

Eine genaue wörtliche Übersetzung für Om gibt es nicht wirklich. Grob übersetzt: „Alles, was gewesen ist, was ist und noch sein wird.“ Om steht also gleichzeitig für alle Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

In den alten Schriften geht man davon aus, dass Om den Urklang verkörpert. EIn Klang / Ton, der der energetische Ursprung der Schöpfung ist. Eine schwer greifbare, sehr mysthische Vorstellung der alten Yogis. Der Mythos besagt, dass aus diesem Urklang alles entstanden ist. Es war also kein Schöpfer in dem Sinn am Werk, wie es in anderen Schöpfungsgeschichten kommuniziert wird – sondern ein Klang!

Als Ursprung ist Om somit in allem enthalten und mit allem verbunden. Es ist überall. Om/Aum steht also für das Universelle, das Ganze, für alles.

In manchen Yoga Stunden wird vor oder nach dem Yoga Om gesungen um die Praxis einzuläuten bzw. abzuschließen. Wenn man mehrmals hintereinander Om als Mantra rezitiert / chantet, wird eine zarte Schwingung im Körper spürbar. Im Yoga soll diese Vibration das Bewusstsein für die Meditationspraxis wecken und helfen im Moment anzukommen, sich zu fokussieren und Einklang für Körper, Geist und Seele herstellen.

Veröffentlicht am

Martyna Eder

Abiding in uncertainty

It’s the end of the world as we know it- and we don’t feel fine. Desperately clinging to the known and comfortable is a very human thing to do, and I guess in one way or the other we all got hooked by that, lately. A lot of people lost their livelihood, loves ones- or even their own lives and it’s important to acknowledge that. A lot of primordial fear has been triggered and maybe we are just experiencing a global collective emotion. Which is an interesting thing, when it comes to spiritual practice, because in some way we are all having the same or a similar emotional experience, regardless of how different we are, or we think we are.
Being able to relate to the suffering of others is the first step when it comes to practicing compassion, which again is the first step to spiritual awakening. We are stuck with ourselves, many ways of distraction have been taken away from us and something in wants to immediately react like a kid whose toys have been taken away. With defiance and despair we are trying to find somebody to blame and we are becoming most creative in finding ways to distract us in the same way as we usually do, but in new ways. We consume, we post, we like and dislike and we want to “self improve” by totally bypassing to even briefly be with the self we want to improve.
This is a chance for us to lean into our fears rather than eternally running away from them and this is the chance for us to intimately get to know our tendencies and structures.
Opening up to our anxiety and our suffering is very courageous act, but also a most necessary one. If we show up for this challenge and if we take the chance to abide with all these raw and primordial emotions this crisis has triggered in basically all of us, we have the chance to not only practice compassion for ourselves, but for everybody. If I feel lonely and anxious, chances are that a large number of other beings feel the same way, too. By opening up to my own feelings and by softening rather than closing down, I will be able to expand this softness and openness to others, too.
Maybe the world has sent us to our rooms to deal with ourselves so that at some point we will finally be ready to deal with others in a compassionate and kind way.
Because how we treated other beings brought us here in the first place.
And it’s the same thing that can bring us out.

Veröffentlicht am

Susi Stenglein

 Wie ich mir, so ich dir – Die Sache mit dem Selbstmitgefühl

Selbstmitgefühl, Selbstliebe ist in aller Munde, das unverzichtbare Fashion Accessoire, auf das niemand verzichten sollte. Und wenn man sich durch die Vielfältigkeit von Beiträgen zum Thema Selbstmitgefühl liest, muss das ja ganz easy zu lernen sein. Ich habe zig Seminare zum Thema besucht und beschäftige mich schon einige Jahre mit dieser Thematik, aber ehrlich gesagt frage ich mich: Wenn das mit dem Selbstmitgefühl so einfach ist, warum fällt es mir dann immer noch so oft so schwer? Wie oft lächeln wir, obwohl uns eigentlich zum Heulen zumute ist? Wie oft sagen wir „Ja“, obwohl wir eigentlich „Nein“ sagen möchten? Wie oft sagen wir „Es geht mir gut“, obwohl es uns gar nicht gut geht?
Ich möchte dir eine persönliche Geschichte erzählen

Manchmal bin ich echt hart zu mir, gestehe mir gewisse Gefühle nicht zu, um nicht zu empfindlich zu wirken, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen, um gemocht zu werden, um keine Schwäche zu zeigen.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich gerne viele Projekte aufhalsen, völlig egal ob sie mir Spass machen oder nicht, ob ich die für mich oder für andere erledige. Und wenn mich jemand um einen Gefallen bittet, erfülle ich den gerne zusätzlich. Ständig und möglichst perfekt. Ich teile unglaublich gerne und viel, möchte nie etwas dafür zurück und bevor ich mir selbst etwas zugestehe, würde ich es erst jemand anderes zugestehen. Bei all dem beachte ich kaum meine eigenen Ressourcen, weder körperlich noch mental.

Ich bin mit 4 Geschwistern großgeworden und meine Eltern haben immer voll gearbeitet. Wir wohnten auf 90qm zu siebt, Geld war kaum vorhanden. Meine Mutter war eine Perfektionistin, eine starke Frau, die viel geschafft hat und sich selbst wenig Zugeständnisse gemacht hat, weil sie uns alles ermöglichen wollte. Und doch hat auch sie nicht immer alles perfekt hinbekommen – das wäre auch unmenschlich, für sie kam das einem Versagen gleich. In so einer großen Familie aufzuwachsen verlangt einiges von allen Beteiligten ab. Es blieb wenig Zeit für „Aufmerksamkeit“, da musste der Laden laufen und wir hatten alle unsere Aufgaben. Wenn wir nicht gemeinsam funktioniert haben, hat das vieles durcheinandergebracht. Es mussten Prioritäten gesetzt werden und da blieb nicht viel Raum über eine Beule oder Schramme zu weinen. Ich habe gelernt, sich den Kopf zu stoßen und eine kleine Beule zu haben o. ä.,ist doch nicht so schlimm. Es ist ja nur eine Beule, der Kopf ist zum Glück noch dran. Eine böse Absicht war das nie und ich vermute, meine Eltern haben es selbst nicht anders kennengelernt. Sie haben es wahrscheinlich sogar immer noch besser gemacht, als sie es selbst als Kinder kennengelernt haben. Jetzt, wo ich selbst Mutter bin, kann ich gewisse Dinge viel besser verstehen. Trotzdem haben diese und weitere Erfahrungen dazu geführt, dass ich mir mit 35 Jahren eingestehen musste an meiner Haltung mir selbst gegenüber dringend arbeiten zu müssen und dafür musste es, wie so oft, ein einschneidendes Erlebnis sein – die harte Tour.

Ich landete mit einer verschleppten Nieren-/Beckenentzündung auf der Intensivstation im Krankenhaus, weil meine Nieren kurz vorm versagen waren. Die Ärzte waren überrascht, dass es soweit gekommen ist. Sie haben mich gefragt, ob ich denn keine Schmerzen hatte, die ziemlich arg gewesen sein müssen. 2 Wochen, bevor ich ins Krankenhaus kam, war ich feste davon überzeugt, das sind Rückenschmerzen, sie waren auszuhalten. Zusätzlich hatte ich Kopfschmerzen, ich dachte aber auch hier, das die natürlich eine Begleiterscheinung meiner Rückenschmerzen sein müssen. Fieber kam erst viel später dazu. An einen brennenden Schmerz beim Toilettengang kann ich mich nicht erinnern, das hat aber nichts zu heißen. Das ich mich aber eigentlich kränklich gefühlt haben muss, ich müde war und insgesamt nicht ganz so fit, habe ich völlig ignoriert – denn meine vielen Projekte, die ich mir gerne aufhalse, waren wichtiger.

Seid diesem Ereignis, habe ich erkannt, dass ich andere Dinge meiner Gesundheit regelmäßig vorgezogen habe. Alles war wichtiger, nur ich selbst nicht. Rückblickend betrachtet fallen mir da eine Menge Dinge ein.

Bei den vielen Untersuchungen die im Krankenhaus durchgeführt wurden, wurde festgestellt, dass ich mit nur einer Niere geboren wurde. Das ist nichts seltenes und auch nicht weiter schlimm, weil man gut mit einer Niere leben kann. Aber bei der Schwere meiner Nieren-/Beckenentzündung, war das Ganze dann doch lebensbedrohlich. Und mit diesem Wissen fing ich an, mir so meine Gedanken zu machen.

Was bedeutet Selbstmitgefühl?

„Es ist ganz entscheidend, wie man mit sich selbst in schweren Zeiten umgeht“
(Kristin Neff, Psychologin an der University of Texas in Austin)

Das Wort Selbstmitgefühl setzt sich aus den Worten Selbst – Mit – Gefühl zusammen. Grob beschrieben bedeuten diese:

Selbst: die psycho-soziale Identität eines Menschen. Es dient der Verstärkung und Betonung des eigenen Ich’s.

Mit: drückt die Gemeinsamkeit, das Zusammen sein oder Zusammenwirken mit einem oder mehreren anderen Tätigkeiten aus und drückt die Wechselseitigkeit bei einer Handlung aus.

Gefühl: Wahrnehmung durch die Sinne, seelische Regung, Empfindung.

Selbstmitgefühl bedeutet grundsätzlich, dass man sich selbst genauso gütig und verständnisvoll behandelt, wie man mit einer Freundin oder einem Freund umgehen würde. Das klingt total gemütlich und erweckt vielleicht den Eindruck, dass Menschen, die unglaublich mitfühlend sind, auch die glücklicheren Menschen auf der Welt sind. Selbstmitgefühl ist jedoch alles andere als gemütlich und setzt voraus, dass man sich seiner Selbst bewusst ist, einen Zusammenhang zwischen Gefühl und Emotion herstellen kann und die Wechselseitigkeit ihrer Bedeutung verstehen und annehmen lernt. Selbstmitgefühl setzt ebenfalls die Bereitschaft für Veränderung voraus. Wir müssen Verantwortung für uns selbst übernehmen.

Kristin Neff, eine der weltweit führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet Selbstmitgefühl, erklärt, dass „Selbstmitgefühl noch tiefer als Selbstakzeptanz geht. Es beinhaltet ein aktives Sich-Kümmern, das Beste für sich selbst zu wollen und sich zu sagen: Ich will meine Wunden heilen, gesund und glücklich sein. Manchmal bedeutet das eben eine Veränderung des eigenen Lebensstils.“

Wenn man im Yogasutra von Patanjali stöbert, wird man feststellen, dass sich darüber schon vor über Tausend Jahren jemand sinnvolle Gedanken gemacht hat: Hier werden 4 Geisteshaltungen beschrieben, mit denen wir Hindernisse in unserem Leben auflösen. Im Buddhismus gelten diese als die „4 Herzensbefreiungen“:

Maitri (Metta): Freundlichkeit, Liebe, Freundschaft, Güte
Karuna: Mitgefühl, Barmherzigkeit
Mudita: Freude, Heiterkeit, Mit-Freude, Glück
Upeksha: Gleichmut, Geduld, Nicht-Anhaftung

Was bedeutet das jenseits deiner Yogamatte?

Wir alle haben es verdient geliebt zu werden und wir haben es verdient, uns selbst zu lieben. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, wir reden schließlich nicht von Selbstbezogenheit. Das wird allerdings gerne mit Selbstmitgefühl verwechselt.
Wir sind alle einzigartig und genauso einzigartig sind auch unseren Haltungen und Blickwinkel.
Der Schlüssel zu mehr Freundlichkeit zu uns selbst und in unserer Gesellschaft liegt darin, uns selbst gegenüber eine liebevolle Haltung zu kultivieren. So wie wir nur gute Beziehungen führen können, wenn wir freundlich miteinander umgehen. Generell ist es für die meisten Menschen leichter, anderen Mitgefühl entgegenzubringen als sich selbst.

Sei nicht zu streng mit dir

Wir sollten nicht zu streng mit uns sein und uns in Situationen hineinversetzen können (auch unsere eigenen), um sie vielleicht zu verändern. Wir haben alle eine innere Stimme, unseren inneren Kritiker, mit dem wir uns auseinandersetzen sollten. Vielleicht weniger Widerstand zu leisten und innerlichem Trotz zu frönen, sondern die Dinge anzunehmen, wie sie sind, und uns mehr mit dem Dahinter auseinandersetzen. Das hilft, um den Blickwinkel auf ein ungesundes Muster zu verändern. Der Klassiker ist die gescheiterte Diät.

Mache Zugeständnisse

Es ist wichtig, sich selbst Glück und Freude zuzugestehen. Es ist aber ebenso wichtig genau das auch anderen zuzugestehen und sich mitzufreuen. Auf der Yogamatte meldet sich gerne unser innerer Kritiker. Bspw. wenn du für diese eine Asana nicht flexibel genug bist, aber die Mädels vor dir auf der Matte, die stehen mit ihren ranken und schlanken Körpern wie eine Eins in der Asana. Sei nicht zu streng mit dir und mach dir bewusst, dass diese Asana dir nach und nach zu mehr Flexibilität verhilft. Frage dich immer wieder selbst, wie du dich in dieser Haltung fühlst und ob du sie genießen kannst. Du musst dich nicht verbiegen, um dich zu Verändern, sondern vielmehr versuchen dein Ändern zu leben.

Sehe deine Fehler als Chance

Wir können nie wissen, wie etwas zu sein hat. Diese Haltung zu üben, kann dabei helfen nicht zu bewerten und uns selbst wieder liebevoll zuzuwenden. Fehler als Chance zu sehen, wird uns dabei unterstützen daraus zu lernen. Laut Patanjali leiden wir alle auf unserem Weg, das bedeutet aber nicht, wenn du mal wieder einen Ausrutscher hattest, bspw. eine riesige Schüssel Eiscreme verputzt hast oder die Geduld verloren hast, dass du dich dafür bestrafen musst. Gestehe dir Fehler zu und sei trotzdem stolz auf dich. Integriere vielleicht einen gesunden Humor.

Setz dich nicht unter Druck

Lege nicht alles auf die Goldwaage, sondern versuche dich zu entspannen. Du wirst es nicht jedem Menschen recht machen können. Versuche Kritik liebevoll anzunehmen und befreie dich von den hohen Ansprüchen an dich selbst. Wir verlieren immer wieder unser Ziel aus den Augen, haben vielleicht die falsche Abzweigung genommen, sind im Kreis gelaufen oder sogar rückwärts gegangen. Aber jeder Schritt wird sich lohnen, auch wenns mal ein bisschen länger dauert!

Bleibe du selbst

Es erfordert Mut, uns so zu zeigen wie wir sind, wir könnten uns angreifbar machen und an Sympathien verlieren. Es erfordert Mut Meinungen infrage zu stellen (auch die eigene) und sich auf neue Sichtweisen einzulassen. Es erfordert Mut die Kontrolle abzugeben und dich überraschen zu lassen von den vielen unbekannten Dingen des Lebens.

Tief im Inneren wissen wir, wer wir sind. Wir alle besitzen einen Ort voller Frieden und Leichtigkeit, eine innere Weisheit, einen Ort voller Widerstandsfähigkeit und Kraft. Gerade jetzt, wo Corona unseren Alltag fest im Griff hat, hilft es, sich mit Abstand und trotzdem liebevoll zu begegnen, mitfühlend und uns solidarisch zu zeigen, Geduldig zu sein und dabei die Freude am Leben nicht zu verlieren. Und wenn Corona vorbei ist, habe ich die große Hoffnung, dass von diesen Aspekten bei vielen Menschen etwas hängengeblieben ist.

In diesem Sinne stay true, be you!

Deine Susi