Authentizität

Wer bin ich? Das ist wahrscheinlich eine der größten Fragen, die wir uns in unserem Leben stellen können. Die Antwort ist nicht so einfach zu finden, denn wer wir sind, ist kein absoluter Zustand, den wir irgendwann mal erreichen und dann für immer dort bleiben. Vielmehr ist es ein fortwährender Prozess, der mit ständiger Veränderung, über den Haufen werfen, loslassen und Neuausrichtung einher geht. Die Frage lässt sich also nicht absolut beantworten, ausser vielleicht mit einem kurzen Ausflug in die Yoga Philosophie.

Soham ist Sanskrit und bedeutet “Ich bin, der ich bin” oder auch “Ich bin das”. Im Grunde könnte man auch sagen “Ich bin alles und nichts”. Patanjali beschreibt den Weg des Raja Yoga in 8 Stufen, um zum Ziel der Yoga Praxis, Samadhi, die Erleuchtung oder auch die Glückseligkeit zu gelangen. Der Zustand des “yogas citta vrtti nirodah”, des zur Ruhe gekommenen Geistes, in dem wir eins sind mit allem, völlig frei von Abhängigkeiten, ist unser ganz natürlicher Zustand, ein absolut wahrer Zustand, der nur schwer in Worte zu fassen ist.

Wahrscheinlich wollen wir uns nur ungern damit zufrieden geben, das wir irgendwann in einem Zustand von Samadhi begreifen wer wir wirklich sind – wir wollen es gerne jetzt, oder?

Vielleicht können wir uns ganz langsam rantasten das diese große Frage wer wir eigentlich sind. Schritt für Schritt. Wir können achtsam mit uns selbst im Hier und Jetzt sein, also wirklich präsent sein, mit dem was gerade ist. Uns anschauen welche verschiedenen Rollen wir im Leben spielen, ob wir sie im wahrsten Sinne des Wortes spielen oder authentisch sind oder ob es Teile von uns gibt, die wir ablehnen oder gar nicht wagen sie anzuschauen. 

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Stelle dir Fragen

Also betrachten wir die Situation mal wie sie ist, mit der Hilfe von ein paar Fragen, die du dir selbst auch stellen kannst:

  1. Wieviele unterschiedliche Rollen nimmst du im Laufe eines Tages so an? 

Wir sind vielleicht Mama/Papa, Frau/Mann/Divers, Tochter/Sohn, Arbeitgeber:in, Angestellte:r, Yogaübende:r, Koch/Köchin, Putzkraft, Haushaltsmanager:in, Problemlöser:in etc. Das sind verdammt viele unterschiedliche Hüte, die wir aufziehen und das nur an einem Tag. Da kann es ein leichtes sein sich in einer Rolle zu verlieren oder Schwierigkeiten beim Übergang zwischen zwei Rollen zu haben. Die taffe Businessfrau und die liebevolle Mutter können durchaus wunderbar koexistieren und schließen sich nicht gegenseitig aus. Wenn wir jedoch die Businessfrau nicht an der Büro-Tür ablegen und sie mit nach Hause nehmen, bekommen wir ein Problem. Tipp: Sei präsent mit deinen Rollen, fülle sie zum jeweiligen Zeitpunkt aus und lass sie gehen wenn es Zeit dafür ist. Nimm dir Zeit um bewusst von einer Rolle in die andere überzugehen.

  1. Bist du zufrieden mit dir selbst? Kannst du dir Fehler verzeihen, kannst du die Teile anerkennen und akzeptieren, die du nicht so gerne an dir magst und feierst du dich gleichzeitig für das, was du an dir selbst richtig gut findest? Kannst du deine vermeintlichen Schwächen benennen und kennst du deine Stärken? 

Dies wird im Yoga Svadhyaya genannt das Selbststudium. Je besser du dich selbst kennst und dich akzeptierst, desto wahrhaftiger und authentischer kannst du in der Welt auftreten und agieren. Sich immer wieder bewusst zu machen, dass du ganz tief in dir drin, heil und perfekt bist, und alles was dir vermeintlich fehlt, nur eine Laune deines gelangweilten Geistes ist, kann ungemein hilfreich sein. Auch das Gelassenheitsgebet gibt gute Impulse: “Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” Schau dir hierzu auch gerne nochmal unseren Selbstliebe Beitrag an.

  1. Stellst du deine Bedürfnisse hinten an, um deinen Rollen gerecht werden zu können? 

Authentisch und echt zu sein, heisst auch seine Grenzen zu kennen. Ein People-Pleaser zu sein, wird dir auf Dauer nicht dazu verhelfen zufrieden zu sein. Es ist wahrscheinlich sogar der schnellste und sicherste Weg in ein Burnout und das ist für dich und alle anderen in deinem Umfeld kein erstrebenswerter Zustand. Du musst nicht alles schaffen! Morgen ist auch noch ein Tag!

  1. Apropos nicht alles schaffen: Vergleichst du dich oft mit anderen? Fragst du dich wie sie alles so toll hinkriegen? Warum deren Leben so schön und perfekt ist und deins nicht, obwohl du dir soviel Mühe gibst? 

Keiner schafft alles. Und wer es dennoch behauptet, der ist vielleicht nicht ganz ehrlich zu sich selbst und hinter der perfekten Fassade, bröckelt der Putz vielleicht schon ganz gewaltig. Wir sehen nur ausgewählte Teile aus dem Leben anderer – vor allem auf Social Media. Letztlich bist du am Ende des Tages immer noch du und nicht der mit dem du dich vergleichst. Leb dein Leben so gut du kannst und lebe nicht die schlecht nachgeahmte Version eines anderen. 

  1. Musst du wirklich alles alleine hinkriegen? 

Es ist nichts falsch daran um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen, wenn sie uns angeboten wird. Das macht dich nicht schwach, ganz im Gegenteil. Wenn du deine Verletzlichkeit kennst, weißt du mit ihr umzugehen. Und wenn du weißt wie du am Besten damit umgehst, bist du eigentlich nicht mehr zu stoppen. Zum Thema Verletzlichkeit und Scham empfehlen wir dir Brene Browns Ted Talks

  1. Bist du perfekt oder echt?
    Unsere Leistungsgesellschaft verlangt uns täglich so viel ab und wir müssen auf der Hut sein, nicht in diesen Strudel zu geraten oder wir müssen uns gar erstmal aus ihm befreien. Du darfst Fehler machen, ja du musst sogar Fehler machen, um die Lektionen, die auf deinem Weg zu lernen sind auch zu sehen und zu begreifen und an ihnen zu wachsen. Fehler kann man fast immer ausbessern. Mach dich nicht selbst schlecht dafür, dass du etwas nicht sofort auf Anhieb perfekt kannst und habe keine Angst vor dem Scheitern. So vieles, dass wir vielleicht gerne tun möchten, bleibt völlig unberührt, weil wir Angst davor haben etwas zu riskieren oder etwas neues auszuprobieren. Nutze dein volles Potential und führen dadurch ein erfüllteres Leben! Dazu gehört auch nicht immer jeden Ratschlag anzunehmen oder wieder Ausschau danach zu halten wie es jemand anders macht. Du und dein Leben, ihr seid höchst individuell. Lebe es so wie du es willst und lass dir im besten Fall nicht reinreden. Was für andere funktioniert, muss für dich nicht auch funktionieren. Probiere Dinge aus und finde deine eigene Lösung mit der du gut leben kannst.
  2. Gibt es Zeiten für Stille und Kontemplation in deinem Alltag?

Gönn dir unbedingt Pausen, denk darüber nach was du willst, was du nicht willst, was für Gefühle präsent sind, wie es deinem Geist und deinem Körper geht. Viele Warnsignale können wir gar nicht mehr wahrnehmen, weil wir uns die Zeit zum hinhören und hinein spüren gar nicht geben. Stille kann voller Antworten sein, schenk ihr unbedingt ein bisschen Raum, jeden Tag.

Zu guter Letzt: Sei ehrlich zu dir selbst und zu allen anderen. Unangenehmes unter den Teppich zu kehren, führt früher oder später dazu, dass du darüber stolperst, obwohl es doch nur mit diesem einen kleinen Ding angefangen hat. Vermutlich verletzt du dich damit selbst und auch andere Menschen. Wenn du dir selbst treu bleibst, wirst du vielleicht manchmal anecken und dennoch weiß jeder gleich woran er ist. Dies bedeutet in Satya, also in Wahrheit zu leben. 

Echt und authentisch du zu sein erfordert eine große Portion Mut, denn du wirst dich auch mit deinen Schattenseiten auseinandersetzen müssen. Aber das ist vielleicht der Preis den wir bezahlen müssen um ein erfülltes Leben führen zu können. Raum zu geben für alles was in uns und um uns präsent ist. Nichts zu überspielen, sondern offen und durchlässig zu bleiben, die Dinge durch uns hindurch fließen zu lassen – ganz im Sinne von Soham, ich bin, der ich bin. Oder wie es schon Oscar Wilde sagte:

Sei du selbst, alle anderen sind schon vergeben.

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